Erste Erfahrungen mit den Lastenrad: Pleiten, Pech und Pannen

Das Lastenrad ist da. Mein persönlicher Beitrag zur Verkehrswende beginnt eher holprig. Doch jetzt sind wir auf dem richtigen Weg.

Endlich da!

In einem vorherigen Beitrag beschrieb ich, wie ich mich für das Urban Arrow Family Lastenrad entschieden habe. Der Händler konnte es schnell beschaffen, so dass ich es bereits wenige Tage nach der Bestellung in Empfang nehmen konnte.

Natürlich transportiert sich so ein Lastenrad nicht so einfach auf dem Fahrradträger des Autos, also beschloss ich bereits beim Kauf, es selbst nach Hause zu fahren - immerhin sind es nur knapp 10 km zwischen Händler und heimischer Garage. Dazu bat ich den Händler, den Akku zu laden; und dieser Wunsch wurde schriftlich auf der Bestellung vermerkt. Bei der Abholung musste ich feststellen, dass der Akku nicht geladen war. Der Händler begründete das damit, dass Bosch Händlern verbietet, den Akku zu laden. Aber die restliche Ladung müsste für den Heimweg reichen, wenn ich in einem kleinen Gang im Eco-Modus fahre. Immerhin bot er einen Leihakku an. Ich entschied mich dagegen und trat den Heimweg an.

Die erste Panne

Doch weit kam ich nicht. Nach ca. 7 km - mitten im Feld zwischen Gonsenheim und Bretzenheim - sprang am Hinterrad der Mantel von der Felge. Einen Sturz konnte ich gerade noch so verhindern, aber die Fahrt war vorbei. Schieben funktionierte nicht, denn der Mantel hatte sich gleich schön verkeilt. In der abendlichen Dunkelheit war es mir unmöglich, mir selbst zu helfen.

Fahrtende nach 7,2 km

Also Anruf beim Händler. Nach einem kurzen Gespräch bot er mir an, mich und das Fahrrad mit einem geeigneten Transporter abzuholen. Doch bis zum Eintreffen sollte einige Zeit vergehen. Bei der herrschenden Kälte war das Warten kein Spaß. Zum Glück brachte eine Unbekannte heißen Tee vorbei, sonst wäre ich zur Eissäule erstarrt. Als dann endlich Hilfe kam, war es nicht der erwartete Transporter, sondern ein sehr kleines Fahrzeug. Darin saß der Berater, der mir das Lastenrad verkauft hat. Er kam selbst, da der Transporter noch sehr lange auf sich warten lassen sollte. Wir sicherten also das Rad vor Ort mit Schlössern des Händlers, so dass der Fahrer es später abholen konnte. Ich kam nach Hause und genoss einen weiteren Tee.

Das erste Mal mit dem Lastenrad zur Arbeit

Am nächsten Tag war alles repariert und das Rad wurde mir nach Hause geliefert. Also nun alles bereit für die erste echte Probefahrt. Was bietet sich da mehr an, als gleich damit zur Arbeit zu fahren? Der Nachwuchs musste glücklicherweise nicht in die Kita, so dass ich in aller Ruhe die erste längere Fahrt alleine unternehmen konnte. Die Fahrt lief soweit problemlos. An so manches Geräusch muss ich mich noch gewöhnen.

Wie erwartet, konnte ich die Rampe zur Schiersteiner Brücke nicht hoch fahren. Das wäre einfach zu eng geworden. Schieben war sicherer, so kann ich näher an den Rand.

Am Ziel angekommen stellte ich das Rad auf meinem Tiefgaragenstellplatz ab.

Lastenrad in der Tiefgarage

Bei meinem Arbeitgeber werden die Tiefgaragenplätze verlost. Irgendwann werde ich also keinen Platz mehr haben, dann muss ich mir eine sozial verträgliche Abstellmöglichkeit an den Fahrradbügeln suchen. Denn das hatte ich irgendwie verdrängt: So ein Lastenrad braucht beim Parken doch deutlich mehr Raum, als ein herkömmliches Fahrrad.

Der nächste Defekt

Auf dem Heimweg stellte ich dann kurz vor dem Ziel fest, dass die Vorderradbremse etwas schwammig reagierte. Zuhause angekommen versuchte ich, dem Problem auf den Grund zu gehen. Beim Suchen nach Undichtigkeiten der hydraulischen Scheibenbremse konnte ich auch endlich eines der neuen Geräusche zuordnen: Die Scheibenbremse vorn drehte nicht optimal frei. Da mir das zusammen mit der schwammigen Bremsreaktion den Spaß am Fahren verdorben hat, wendete ich mich abermals an den Händler. Dieser schickte mir noch am gleichen Abend einen Mitarbeiter nach Hause. Die Bremse wurde entlüftet und neu eingestellt. Problem gelöst: Keine Geräusche mehr, und die Bremsenreaktion ist nun befriedigend.

Der lange Schlauch bis zum Vorderrad lässt die Bremse dort etwas schwammiger wirken, als am Hinterrad mit viel kürzerem Schlauch - so erklärte man mir das unterschiedliche Bremsgefühl. Die Bremsen arbeiten gut, die Bremswirkung ist aber nicht mit der vom Cyclocross gewohnten vergleichbar. Zwischen Cyclocross-Rad und Lastenrad liegen allerdings auch 40 kg im Leergewicht.

Einkaufen - jetzt ohne Auto!

Am Wochenende ist der Einkauf fällig, und damit der erste echte Einsatz für das Lastenrad. Die Einkaufsliste war überschaubar, so dass ich den Versuch gerne wagte. Ein paar Getränke, dazu eine 12er-Kiste Milch und ein paar Kleinigkeiten. Insgesamt schätze ich etwa 30 kg. Ich war überzeugt, alles ins Rad zu bekommen - die Überraschung bestand dann darin, wieviel Platz noch übrig war:

Einkauf mit dem Lastenrad; links: der Einkaufswagen; rechts: alles verstaut

Die Rückfahrt war sehr entspannt. Trotz des zusätzlichen Gewichts fuhr sich das Rad einwandfrei. Der Motor tat seine Arbeit, und so kam ich trotz des eher dichten Verkehrs zügig nach Hause, wo ich direkt vor der Haustüre entladen konnte.

Der erste Sturz

Nach dem Einkauf lud ich das Rad mit Altpapier für den Recyclinghof voll und begab mich dorthin. Der Transport lief absolut problemlos. Am Recyclinghof kam ich mit einem anderen Entsorgenden ins Gespräch, der großes Interesse an dem Rad zeigte.

Für den Rückweg wählte ich eine etwas andere Route. Bei einer Abbiegung, die ich mit meinen anderen Rädern schon zig Male erfolgreich genommen habe, geriet ich mit dem Lastenrad auf den Straßenbahngleisen ins Rutschen und legte mich auf die Seite. Bis auf ein paar Kratzer am Ständer und der Lenkerstange ist nichts passiert; nichts verstellt, verzogen oder verbogen. Das musste ja irgendwann passieren. Zum Glück war der Nachwuchs nicht mit an Bord.

Luxusausstattung für junge Passagiere

Mein Sohn soll es warm, kuschelig und bequem haben. Deshalb wurde heute noch mit einem Lammfell für mehr Komfort gesorgt.

Lastenrad mit Lammfell

Sieht doch gleich viel bequemer aus. Jetzt kann es endlich mit unserem Beitrag zur Verkehrswende so richtig los gehen.


Fortsetzung: Das Lastenrad im täglichen Einsatz: Platte Reifen und Zeit für Upgrades


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