Das Lastenrad im täglichen Einsatz: Platte Reifen und Zeit für Upgrades

Das Urban Arrow Family Lastenrad ist nun seit einigen Tagen im Einsatz. Jetzt zeigen verbesserungsbedürftige Ausstattungsdetails und die Notwendigkeit eines sehr guten Fachhändlers mit sehr guter Werkstatt, auch wenn man dort das Rad nicht gekauft hat.

Einkaufen, zur Arbeit fahren, Kind mitnehmen – alles kein Problem

Natürlich klingt die Einleitung irgendwie nach einem weiteren Rant. Aber das würde dem Lastenrad und seinem Gebrauch nicht gerecht werden. Insgesamt steht hier nämlich eine tolle Maschine, mit der tatsächlich die Autobenutzung enorm reduziert werden konnte, auch wenn mal wirklich viel Material transportiert werden musste.

Lastenrad – voll geladen

Alleine bei den Familieneinkäufen hat sich das Rad als fantastischer Begleiter gezeigt. Ganze Einkaufswagenladungen sind samt Kind problemlos in der Box verstaubar, und mit dem Fahrrad kann man ganz offiziell noch näher am Einkaufsmarkt parken als der mitfahrerfreie SUV auf dem Eltern-Kind-Parkplatz.

Nicht mit Gold aufzuwiegen sind die Blicke anderer Kunden, wenn ich in Fahrradklamotten und Helm unterm Arm einen vollen Einkaufswagen über das Kassenband jage.

Auch für die Fahrt zur Arbeit ist das Lastenrad prima: Bürokleidung, Laptop, alles passt prima in die Box. Dazu kommt dann noch der Nachwuchs, der eine Kita meines Arbeitgebers besucht. So fahren wir morgens und nachmittags entspannt die 15 Kilometer hin und wieder zurück.

Für meinen Sohn sind das echte Highlights, besonders dann, wenn wir das Regenzelt weglassen können. Er genießt den ungestörten Rundumblick.

Lediglich die Auffahrt auf die Schiersteiner Brücke auf der rheinland-pfälzischen Seite stellt weiterhin die erwartete Herausforderung dar. Hier kann man mit dem Lastenrad zwar fahren, aber es wäre viel zu eng für Gegenverkehr. Hier hilft aktuell nur ganz nah am Rand schieben. Zum Glück unterstützt der BOSCH-Motor auch dabei. Auch alle Radfahrer, die mir bisher an dieser Engstelle entgegengekommen sind, waren bisher freundlich und kamen gut vorbei.

Steuersatz richtig einstellen hilft ungemein

Bei der Durchsicht nach einigen Tagen der intensiven Benutzung fiel mir auf, dass die Gabel des Vorderrads etwas Spiel hatte. Da ich dies selbst nicht ordentlich in den Griff bekam, wendete ich mich an meinen lokalen Fahrradladen, von dem ich alle anderen Fahrräder gekauft habe, nicht jedoch das Lastenrad, da er (noch) keine Lastenräder führt. Hier bekam ich die gewohnt gute Unterstützung, und schon nach wenigen Minuten war der Steuersatz richtig eingestellt.

Auf dem Heimweg war das Fahrgefühl (und vor allem das Gefühl beim Bremsen) schon um Welten besser. Selbst im leeren Beladungszustand lief das Rad nun sehr viel besser gerade aus, und auch ein ungewohntes Geräusch beim Bremsen war plötzlich verschwunden.

Für was war noch gleich das Gummiband?

Als ich das Rad damals abholte, lag in der Box ein sehr dickes, längliches Gummiband. Ich fragte den „Fachmann“ vor Ort, was es damit auf sich hat. Der Fachmann wusste es nicht, mutmaßte, dass mab es möglicherweise bei Arbeiten am Rad braucht, um irgendetwas zu fixieren. Ich gab mich mit der Antwort zufrieden. Immerhin sind das die Profis.

Neulich zappte ich durch eine YouTube-Playlist und traf auf ein Video, welches den Aufbau eines Urban Arrow Family dokumentierte (Video: „Urban Arrow assembly video Bosch Active“ — ⚠️ Link geht zu Google/YouTube!). Ab der siebten Minute (6:00) wird es sehr interessant, denn hier wird besagtes Gummiband an der Lenkstange und dem Rahmen befestigt. Die Anordnung sah für mich plausibel aus, und so beschloss ich, das Gummiband noch zu montieren.

Lastenrad mit montiertem Dämpfergummi an Lenkstange und Rahmen

Die anschließende Probefahrt zeigte extrem eindrucksvoll die Wirkung des Bandes: Es eliminiert praktisch jede Vibration in der Lenkung und sorgt für ein deutlich stabilisiertes Fahren. Das Fahrverhalten hat sich von „naja, ist halt ein Lastenrad“ zu „fährt sich sportlich, präzise und macht richtig Spaß“ gewandelt. Wahnsinn, was so ein kleines Teil bewirkt. Hoffentlich gibt es diesen Gummi auch als Ersatzteil, sollte er mal reißen.

Schade nur, dass der Händler bzw. dessen Werkstatt so wenig Plan von den Rädern hat, die sie aufbauen und verkaufen. Vielleicht muss man das auch mal Urban Arrow stecken, dass gerade dort noch sehr viel Potential zur Weiterentwicklung schlummert. Außerdem ist die Verbesserung im Fahrverhalten ein deutlicher Pluspunkt, wenn man noch vor der Entscheidung steht.

Keinen Meter mehr mit dieser Bereifung

Eines muss man Urban Arrow jedoch vorwerfen: Die Standardbereifung ist nur was für porenreine Teststrecken. Innerhalb von ca. 100 km habe ich nun zwei Platten erlitten – den Verlust des Hinterradmantels von der Abholung mit mit eingerechnet. Das ist eindeutig zu viel. Zum Vergleich: Mein Cyclocross-Rad hat mit den aktuell aufgezogenen Mänteln über 1.000 km ohne Plattfuß geschafft – und mit dem Cyclocross-Rad nehme ich Unebenheiten deutlich aggressiver als mit dem Lastenrad.

Auch hier wird mir der Fahrradhändler um die Ecke weiterhelfen: Neue Mäntel mit besserem Pannenschutz sind schon bestellt.

Es werde Licht

Nachdem ich einige Kilometer am frühen Morgen in der Dunkelheit zurückgelegt habe, steht für mich fest: Die Frontlampe ist für mich nicht das, was ich unter einem vernünftigen Frontlicht verstehe. Am Cyclocross-Rad habe ich eine Busch+Müller IQ-X mit 100 Lux und bin deshalb möglicherweise etwas verwöhnt. Aber 30 Lux? Die mögen für die Nacht in einer beleuchteten Stadt genug sein, draußen in den Feldern im Dunkeln reichen sie einfach nicht aus.

Mein Fahrradhändler um die Ecke beriet mich zur Busch+Müller IQ-Xe, dem E-Bike-Pendant zur mir bereits bekannten IQ-X. Sie soll 150 Lux leisten. Ich bin sehr gespannt und werde berichten.

Ich will diese Abdeckplane

Das Regenzelt habe ich direkt mit dem Lastenrad mitgekauft. Doch es hat einen entscheidenden Nachteil: Die Windlast und damit die Seitenwindanfälligkeit steigt enorm. Wenn das Wetter schön ist oder ich nur Fracht transportiere, nehme ich das Zelt ab.

Doch ich würde die Box gerne auch ohne das Zelt abdecken können, so dass ich auch Fracht trocken nach Hause bringen kann. Urban Arrow bietet als Zubehör ein „Box Cover“ an. Leider kann mir dies der Händler um die Ecke nicht besorgen, so dass ich Wohl oder Übel auf den Händler zurückgreifen muss, bei dem ich das Lastenrad erwarb. Also wendete ich mich telefonisch dort hin, um Preis und Verfügbarkeit zu erfragen. Meine Anfrage wurde aufgenommen und ein Rückruf versprochen. Leider kam es bisher nicht dazu.

Leider ist die Plane auch online kaum verfügbar. So bleibt mir nur, hier erneut zum Bittsteller zu werden.

Weitere geplante Upgrades

Es ist schon wirklich viel Laderaum vorhanden. Aber jetzt, wo sich das Rad so toll fährt, will ich doch noch einen Gepäckträger haben, um die guten Ortlieb-Satteltaschen mitnehmen zu können. So könnte ich meine Bürokluft trocken außerhalb der Box transportieren und der Kleine hätte auf den Fahrten zur Kita einfach mehr Platz.


Fortsetzung: Habemus Upgrades – ist das Lastenrad jetzt endlich uneingeschränkt alltagstauglich?


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